häufig gestellte Fragen

Eltern, die selbst eine Regelschule besucht haben und in ihrem persönlichen Umfeld niemanden kennen, der/die in eine geglückte Alternativschule geht / gegangen ist, sind vielfach von berechtigten Zweifeln geplagt, die bei gleichzeitiger Euphorie insgesamt eine Ambivalenz in der Schulwahlentscheidung herbeiführen. Das ist ganz normal und soll bei uns ausreichend Platz finden!

An dieser Stelle beginnen wir mit einer Auflistung der "Hauptsorgen und -fragen" die die meisten Eltern beschäftigen und geben mal kurze Anworten. Die ausführlichen, individualisierten Antworten erhalten Sie gerne bei unserer Veranstaltung "Elternschule oder Familienschule".

Allgemeine Fragen

Kann mein Kind dann das Gleiche, wie Kinder aus einer Regelschule?

Die Antwort ist nicht ganz einfach, denn was kann denn ein Kind aus der Regelschule. DAS Standardkind gibt es nicht und auch an jeder Regelschule gibt es Kinder, die in ihrer Schulzeit Manches leidenschaftlich perfektionieren und anderes grad mal streifen. Das ist natürlich und wir wollen nicht den Eindruck wecken, dass Kinder bei uns ALLES perfekt lernen. Was wir wollen, ist,

  • ihnen einen guten Rahmen zu bieten, in dem sie einen Überblick kriegen, über alles, was der "Lehrplan" so beinhaltet
  • sie erfahren und hinterfragen zu lassen, wie die Lerninhalte miteinander zusammenhängen und
  • wie die Lerninhalte dann im "echten Leben" verwendbar sind.

Obendrein - und das ist fast noch wichtiger - erfahren und entdecken sie, dass sie selber lernen können, dass sie selbst kompetent darin werden, Antworten auf ihre Fragen und Themen zu kriegen und finden. Lernen lernen, dabei seine eigenen individuell präferierten Wege zu kennen und zu gehen, das ist für uns von großer Bedeutsamkeit. Um Lernen lernen zu können, muss ich immer im Kontakt mit mir selbst sein. Denn ich mache es im Idealfall für mich selbst, um mich selbst von einem Zustand des etwas "noch nicht Könnens" durch Lernen in den Zustand des "es jetzt doch schon Könnens" zu bringen. Kann ich es auf eine mir entsprechende Art und in einer mir und meinen Interessen entsprechenden Phase tun, wird mich das befriedigen - da fügt sich wieder ein Puzzleteil stimmig in meine persönliche Entwicklungsbiografie ein. Lernen ist im Idealfall (bzw. Normallfall) ein intrinsisch gestarteter Prozess. Von außen kann ich inspiriert und angeregt werden. Der Rest passiert beim "echten" - im Unterschied zum oberflächlichen oder defensiven Lernen - in mir.
Nachdem unsere Kinder allesamt in einer reichen und anregungsreichen, inspirierenden Gesellschaft, Kultur und Gemeinschaft leben, haben sie per se unglaublich viele Vorbilder, IdeengeberInnen etc. Man braucht ihnen nicht zu sagen, was sie genau wann zu lernen haben (weil sie's sonst nicht lernen würden). Was es braucht, ist ihnen zu sagen, dass die Schule genau der Ort ist, an dem die BegleiterInnen einzig die Aufgabe haben, die Kinder auf ihrer Entdeckungsreise des Lebens möglichst hilfreich und wertschätzend zu begleiten. Ein individueller Coach sozusagen, der mir als SchülerIn hilft, meinen Interessen intensiv nachzugehen und mich hinweist, wenn ich etwas Wichtiges auslassen oder übersehen würde. Und der mir hilft, wieder Selbstverantwortung für mein Lernen und meine Entwicklung zu übernehmen.

Insofern können die Kinder unserer Schule zumindest das Gleiche, in einigen Belangen wahrscheinlich auch um einiges mehr...?

Zuletzt aktualisiert am 09.01.2015 von admin.

Die Kinder dürfen an der Schule spielen. Wieso?

Ja, auf jeden Fall! Weil "freies Spiel" in Wirklichkeit eine DER kindgemäßen Formen des Lernens ist! Spielen ist kindliches Lernen! Das freie, kindliche Spiel ist insofern eine geniale Lernform, weil sich die Kinder darin im Rahmen ihrer selbst definierten Ansprüche (die sie oft nicht so gut verbal formulieren können, aber die recht vielfältig in ihnen da sind) und Ziele Schritt für Schritt vorwärtsbewegen. Kein Spiel ist umsonst. Genauso, wie die junge Katze beim -zigfachen Attackieren herumgewehter Herbstblätter ihr Tun intuitiv für ihr erfolgreiches Erwachsen-Katzen-Leben perfektioniert, verhält es sich auch bei Kindern. Der Wille und das von innen gegebene Bedürfnis, dazuzulernen, ist in hohem Maße einfach da. Was es braucht, sind geeignete Umgebungen, wenig Ablenkung und Störfaktoren und offene, Sicherheit gebende Erwachsene, die diesen Prozess begleiten und sich Orientierung und Grenzen bietend einschalten, wenn dies angemessen erscheint. Nicht zu früh und nichts vorwegnehmend. Auch hier wieder nach dem Motto "ich helfe Dir, es selbst zu tun".

Wissenschaftlich betrachtet - Kurzversion: Vorgegeben durch die kindliche Gehirnentwicklung gibt es altersentsprechende Arten und Phasen des Lernens. Für abstraktes Lernen (also z.B. bloß noch auf Papier rechnen) sind die Kindergehirne erst gut ab ca. 11/12 Jahren vorbereitet. Davor bloß "vom Papier" zu lernen, bewirkt - wie die Gehirnforschung inzwischen bestätigt - kein tiefgründiges Lernen. Bis zum Aler von ca. 11/12 Jahren bildet sich genau dafür im Gehirn ein stabiles Fundament aus. Das Fundament ist umso stabiler, je mehr das Kind ganzheitlich, im eigenen Tempo, der eigenen Begeisterung folgend, in einer entspannten und vertrauten Gemeinschaft lernen kann. Ganzheitlich bedeutet, unter Einsatz des ganzen Körpers und aller Sinne zu lernen. Erst, was ich im wahrsten Sinne des Wortes begriffen, erlebt UND mit eigenen Augen gesehen habe, wird von meinem Gehirn "stabil und längerfristig" gespeichert bzw. sogar integriert. Und eben diese "stabil durch konkretes Tun mit konkretem Material" untermauerten Fundamente in den verschiedenen Lernbereichen bilden gemeinsam ein unglaublich tragfähiges Gesamtfundament im Gehirn unserer Kinder, auf dem sie ein Leben lang aufbauen können. Dieses Fundament trägt alles, was an geistigen Herausforderungen auf den jungen Menschen zu kommt. Damit gleichzeitig auch die Persönlichkeit des Kindes eine gute Verwurzelung und Fundierung erfährt, braucht es die respektvolle, wertschätzende und empathische Begleitung durch nahestehende Erwachsene. Das ist es, was wir an unserer Schule wirklich groß schreiben!!!

Damit wird deutlich und bestätigt, dass es den Kindergehirnen und dem ganzen Kind nur wenig dient, wenn "die Kindheit" mit mehr und mehr abstrakten Lernformen befüllt wird. Und alles, was ein Kind konkret und aus eigenem Antrieb macht, hilft ihm dabei "sich selbst zu erschaffen" (anstatt ständig von einer Führungsperson durch's Leben geführt werden zu müssen). Es hilft dabei, unabhängig und selbstbestimmt zu werden/sein. Diese Entwicklung verläuft langsam und folgt ihrer eigenen, individuellen Ordnung. Genau das respektieren wir. Kinder dürfen bei uns kindgemäß lernen und sich entwickeln. Denn das ist es, was die Lebensphase "Kindheit" der Spezies "Mensch" ausmacht.

Zuletzt aktualisiert am 09.01.2015 von admin.

Gibt es an einer Freien Schule überhaupt keine Strukturen und Grenzen?

Grenzen und Strukturen sind für unsere Freie Schule unerlässlich, da wir wissen, dass ohne Strukturen das Chaos dominiert. Doch unsere Strukturen sind sehr sorgsam ausgewählt, sodass die Kinder sich möglichst durchgängig aktiv einbringen und ihre eigenen Lernprozesse am Köcheln halten können und gleichzeitig Verantwortung für sich und für's Ganze übernehmen können. Hier ein paar Beispiele für STRUKTUREN:

  • Dienste: die Kinder teilen sich wöchentlich zu Diensten ein, für die sie dann verantwortlich sind (z.B. Kochen, für's Kochen einkaufen, Mülltrennung und -entsorgung, Blumen gießen...)
  • Angebote: Die Kinder erhalten die Info "heute, morgen, nächste Woche gibt es z.B. einen "Schreibschriftschwerpunkt" >> wer sich dafür entscheidet, klemmt sein Namensschild an den gemeinsamen Übersichtsplan, was bedeutet "ich habe mich entschieden, da mit zu machen".
  • Erfüllung eigener Anliegen/Wünsche: ganz regelmäßig hat jedes Kind einen Wunsch für die gemeinsame Tagesgestaltung frei, der dann erfüllt wird. Die jüngsten Kinder wünschen sich gerade am Anfang meist Ausflüge und erleben, dass ihre Wünsche Gehör finden und Raum dafür geschaffen wird. Zunehmend lernen sie dadurch, sich zu überlegen, was ihnen wichtig wäre, zu erleben oder zu lernen und es auch zu artikulieren. Und, nein: die Kinder wünschen sich dann erfahrungsgemäß nicht 7 Packungen Zuckerl, sondern es entsteht ein sorgfältiges Überlegen der eigenen Anliegen.

 

  • Der tägliche Morgenkreis beinhaltet viele Strukturelemente. Er dient - wie in morgendlichen Teambesprechungen im Job - der gemeinsamen Orientierung und Ausrichtung. Darüberhinaus ist er eine warme Geste des Willkommens in der Gruppe. Obendrein symbolisiert er die Bedeutung des "Sich Einbringens und Entscheidens und des sich als ernstgenommener Teil einer Gruppe Erlebens". Hier einige Beispiele für Inhalte des Morgenkreises:
  • Was steht heute an?
  • Welche Lernmaterial-Übungen und Darbietungen werden heute von den LernbegleiterInnen angeboten? Wann und wo? Welche SchülerInnen laden sie dazu ein? Wer außer den Eingeladenen mag sonst noch mit dabei sein?
  • Wofür melde ich mich heute bzw. in dieser Woche verbindlich an?
  • Welche Entscheidungen stehen für uns als Gruppe an (z.B. Ausflüge, Exkursionen...) an und was gilt es dafür zu organisieren?
  • Darüberhinaus haben die Kinder die Möglichkeit, wie in einem Tagesordnungspunkt "Allfälliges" zu thematisieren, was für sie noch wichtig oder fraglich ist. (z.B. kann hier ein Kind äußern, wenn es das Buch, das täglich in der Abschlusslesezeit vorgelesen wird, nicht mag und gerne ergänzend eine andere Geschichte hören würde... Dann wird diskutiert und nach einer für alle stimmigen Lösung gesucht - auch schon mit den ganz jungen Kindern.)
  • Es wird Alltagspraktisches besprochen (z.B. wenn jemand ausnahmsweise doch nicht mit dem Zug anreist und was das evt. an Organisatorischem für die ganze Zugfahrgruppe bedeutet)
  • Immer wieder - je nach Alter der Kinder - wird auch ein Spiel gespielt oder es werden Sinnes- oder Wahrnehmungsimpulse gesetzt.

Kurzum: Im Morgenkreis erleben die Kinder ein gemeinsames Planen, Reflektieren, Diskutieren. Sie erhalten Entscheidungsgrundlagen für ihre nächsten Lernschritte und können positive wie schwierige Befindlichkeiten thematisieren. Insofern ähnelt der Morgenkreis in Vielem bereits jenen Besprechungen, die wir aus dem Berufskontext Erwachsener kennen und auf den wir sie ja u.a. an der Schule vorbereiten.

GRENZEN werden den Kindern bewusst und klar dort gesetzt, wo sie die allen bekannten Vereinbarungen brechen! "Grenzen, die eine den Bedürfnissen des Kindes entsprechende Umgebung einschließen, verschaffen Sicherheit und ein Gefühl von Zuhause-Sein und damit eine sichere Basis, um dann auszuziehen, neuartige Erfahrungen und weitere Horizonte zu suchen, die wiederum ihre eigenen Grenzen mit sich bringen." (Rebeca Wild, „Freiheit und Grenzen – Liebe und Respekt“). Die konsequent an unserer Schule gelebten REGELN und somit auch Grenzen lauten:

  • Wir schlagen und verletzen uns nicht. Auch nicht mit Worten.
  • Ein Kind darf in seiner Arbeit oder seinem Spiel nicht gestört werden. Ich frage, wenn ich bei jemandem mitmachen möchte. Der/die darf ja oder nein sagen.
  • Material, das von jemandem benutzt wird, darf nicht weggenommen und nur mit gegenseitigem Einverständnis mitbenutzt werden.
  • Mit dem Arbeits- und Spielmaterial gehen wir sorgsam um und tragen/räumen es dorthin zurück, wo wir es her genommen haben.

Diese Regeln schaffen in dieser Offenheit Sicherheit und Schutz und tragen zur Orientierung bei. Die Regeln und Konsequenzen sind für die Kinder klar und nachvollziehbar und werden bei Bedarf immer wieder erklärt und besprochen.

Zuletzt aktualisiert am 09.01.2015 von admin.